Was lernen wir in Krisen über den Menschen?

Was lernen wir in Krisen über den Menschen?

Zeitaufwand: ca. 4 Min | Sam Jeanrichard | 25.03.2020

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Die aktuelle gesundheitliche Bedrohung veranlasst mich darüber nachzudenken, was wir in Krisen unseres Lebens über uns – den Menschen – lernen können. Warum bekommen Menschen Angst, verfallen in Niedergeschlagenheit oder werden wütend? Was hat das mit Gott zu tun und was lernen wir über den Menschen?

Botschafter

1.Mose 1-2 zeigt uns auf, dass wir im Bild Gottes geschaffen sind. Vor dem Sündenfall gab Gott dem Menschen den Auftrag, den Garten zu bebauen und sich zu mehren. Dank der von Gott verliehenen Autorität wurde der Mensch ein Repräsentant Gottes und macht seitdem die unsichtbare Autorität Gottes in der Schöpfung sichtbar. Der Mensch ist ein Botschafter. Bevor er in Sünde fiel, repräsentierte er auf vollkommene Weise die Absichten und Aufgaben seines Königs: Gottes. 

Ab 1.Mose 3 wird alles auf den Kopf gestellt. Der Mensch deklariert sich selbst zum König seines eigenen Reiches und repräsentiert sich selbst anstatt Gott. Schon verstehen wir besser, woher Angst, Niedergeschlagenheit oder Wut kommen. Der Mensch lebt die Lüge, er sei sein eigener König und Botschafter. Wenn es nicht so läuft, wie er es will, reagiert er dementsprechend.

Abhängig

Schon vor dem Sündenfall war der Mensch auf Gottes Offenbarung angewiesen und von den Bestimmungen seines Schöpfer abhängig. Diese Abhängigkeit hat Gott in das Herz des Menschen gelegt. Jeder Mensch weiß, dass Gott existiert, doch wir sind Experten darin, diese Realität zu verdrängen (Röm 2,15).

Als abhängige Geschöpfe können wir unser Leben, unsere Beziehungen und uns umgebende Situationen niemals kontrollieren. Apostelgeschichte 17,24-25 macht deutlich, dass Gott dem Menschen selbst jeden Atemzug gibt. Ob wir es glauben oder nicht: Wir sind ganz und gar abhängig von Gott.

In Abhängigkeit von Gott erschaffen, strebt der Mensch auch danach diese Abhängigkeit zu befriedigen, jedoch meist durch jemand oder etwas anderes als Gott. Die Bibel nennt das Götzendienst und macht deutlich, dass dieser Götzendienst im Herzen beginnt (Hes 14,3-11; Ps 115). Götzendienst kann man folgendermaßen definieren: „Ein Götze ist alles, wofür ich bereit bin zu sündigen, 1) um es zu bekommen, 2) wenn ich es nicht bekomme oder 3) wenn es mir genommen wird.

Seit dem Sündenfall versucht der Mensch die Abhängigkeit, die nur Gott stillen kann, mit allem Möglichen außer Gott zu stillen (Röm 1,25). Versuchst du deine Abhängigkeit mit etwas Anderem als Gott zu stillen, so wirst du wütend, ängstlich, töricht oder verzagt, wenn du es nicht bekommst oder es dir genommen wird. Keinen einzigen Aspekt unseres Lebens vermögen wir zu kontrollieren, insbesondere in Zeiten einer internationalen gesundheitlichen Bedrohung. Wovon bist du abhängig? Wie reagierst du auf die Krisen in deinem Leben (Predigt zu Psalm 16)?

Anbeter

Anbetung ist eng mit unserer Identität als Botschafter und Abhängige verbunden. Wo vor dem Sündenfall die Gebote Gottes umgesetzt wurden; wo Dankbarkeit für die Taten Gottes ausgedrückt wurde, da herrscht nach dem Sündenfall Ungehorsam und Undankbarkeit. Anstatt auf Gott zu blicken, schaut der Mensch nur auf sich selbst. Er strebt nach dem eigenen Wohlergehen, dem eigenen Reichtum, der eigenen Ehre, dem eigenen Respekt vor anderen und macht sich davon abhängig. Er wird zum Götzendiener, der nicht anders kann, als enttäuscht zu reagieren. Dem Wesen nach Anbeter wirst du irgendetwas anderes anbeten, wenn du nicht den einzig lebendigen Gott verehrst. Es gibt keine Grauzone der Anbetung (vgl. Jos 24,14.15). In Zeiten einer Lebenskrise stellt sich nicht die Frage ob du anbetest, sondern was du anbetest .

Leben im Hier und Jetzt

Geschaffen als abhängige, anbetende Botschafter und angewiesen auf Gottes Offenbarung müssen wir besonders in Zeiten der Krise zur Quelle der Offenbarung zurückkehren oder ihr uns zum ersten Mal zuwenden. Gottes Wort erhebt den Anspruch und das Alleinstellungsmerkmal die „Bedienungsanleitung“ und „Erklärung“ für den Menschen zu sein. Ohne die Bibel haben wir nicht die Möglichkeit zu erkennen, dass Jesus Christus stellvertretend für unsere falsche Abhängigkeit, falsche Anbetung und falsche Repräsentation gestorben ist, damit wir zur richtigen Anbetung, richtigen Abhängigkeit und richtigen Botschaft kommen. Christus ist für unsere Sünde gestorben. Er hält den Ausweg für jede Situation des Lebens bereit. Obwohl völlig gerecht und unschuldig wurde Christus für uns zur Sünde gemacht, also von Gott wie ein Sünder bestraft (2Kor 5,21). Nur durch den Glauben an Jesus Christus werden wir durch seine Gnade errettet (Eph 2,8-10). Nun können wir die Wahrheiten der Schrift nicht nur annehmen und bekräftigen, sondern auch im Vertrauen umsetzen. Gott hat uns in seinem Wort alles gegeben, was zu einem gottesfürchtigen Leben als Anbeter, Abhängige und Botschafter nötig ist (vgl. 2Petr 1,3; 2Tim 3,16-17). Mehr noch: Die Bibel ist der einzige Maßstab und das einzige Mittel, welches das Herz des Menschen erforscht, durchdringt und verändert (Hebr 4,12-13).

In Zeiten der Krise können wir darauf vertrauen, dass Gottes Wort die Wahrheit ist. Bist du schon ein Kind Gottes, dann treffen Gottes Verheißungen der Schrift auf dich zu. Dazu gehört die Verheißung, dass die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen werden gegenüber der zukünftigen Herrlichkeit (Röm 8,18) – oder die Verheißung, dass dir alle Dinge zum Besten dienen, damit du in das Bild Christi verändert wirst (Röm 8,28-29) – oder auch die Verheißung, dass Gott in allen Prüfungen treu ist und uns nicht überfordern wird (1Kor 10,13).

So lasst uns mit Freimütigkeit hinzutreten zum Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit erlangen und Gnade finden zu rechtzeitiger Hilfe!“ (Hebr 4,16) (1)

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(1) Alle zitierten Bibelverse entstammen der Schlachter 2000 Übersetzung, Copyright © Genfer Bibelgesellschaft, CH-1204 Genf.